Die Jahreszeiten und das Leben

Beim Spazieren gehen kommen mir ja immer die besten Ideen. So war es auch vor ein paar Tagen. Ich lief durch den herbstlichen Wald, und da war er auf einmal: der Gedanke, dass unser Leben mit den Jahreszeiten vergleichbar ist.

 

 Frühling

Im Frühling beginnt das Leben. Noch ist es draußen kalt, doch die ersten Grashalme strecken sich bereits zaghaft der Sonne entgegen, die immer öfter und wärmer scheint. An den Bäumen erscheinen die ersten Triebe. Die Blumen erwachen zum Leben. Die Vögel kehren zurück und vielleicht ist auch schon der erste Schmetterling zu sehen. Noch ist nur ein Hauch von Leben zu sehen. Doch es ist da und es wird von Tag zu Tag stärker.

 

Es liegt Freude in der Luft und etwas Neues, ähnlich wie bei einem Kind, das beginnt das Leben zu entdecken. Niemand weiß, was aus ihm einmal werden wird. Sein Charakter, seine Träume und Ziele, müssen sich erst entwickeln. Man kann nur einen Hauch davon erkennen, eher erahnen. Und doch pulsiert das pure Leben in ihm. Mit offenen Augen entdeckt das Kind die Welt, fällt hin, holt sich Schrammen und steht wieder auf um es noch einmal zu versuchen. Es beginnt sich und das Leben kennen zu lernen.

 

Sommer

Das Leben steht in voller Blüte, ähnlich wie die Natur im Sommer. Die Bäume sind grün und stehen in voller Pracht. Täglich entdeckt man neue Blumen, eine schöner als die andere. Die Früchte im Garten werden reif. Es gibt Salat, Beeren, Gemüse und Obst in unglaublich vielen Varianten. 

Die Tage sind lang, hell und warm. Es ist die Zeit, in der einem die Welt offen steht. Es ist egal ob man draußen etwas unternehmen möchte, ob man aktiv sein möchte oder ausruhen möchte, es ist Zeit um Urlaub zu machen, am See zu liegen, Sport im Freien zu treiben, sich mit Freunden zu treffen und lange Abende im Freien zu verbringen. So ist es auch mit unserem Leben. Wir sind unternehmungslustig, strotzen nur so vor Energie und sind bereit, das Leben in all seinen Facetten zu entdecken. Und sollte es einmal regnen oder stürmen, so wissen wir, dass es nicht lange so bleiben wird. Die Welt gehört uns! Wir sind unsterblich!

 

Herbst

Noch sind die Tage lang und hell, doch man spürt bereits den Wind der Veränderung. Es gibt warme Tage, die vielleicht noch einmal ins Schwimmbad einladen, aber es gibt auch graue und stürmische Tage, die einen im Haus halten.

Die Blätter verfärben sich, am Abend wird es früher dunkel, es gibt den ersten Nebel und es wird merklich kühler. Man fängt an sich auf den Winter vorzubereiten, überprüft und ergänzt die warme Kleidung, schaltet die Heizung an, entzündet das erste Feuer im Kamin.

Es ist die Zeit um die letzten Früchte aus dem Garten zu ernten. Eine Zeit der Dankbarkeit für die Fülle des Sommers, aber auch eine Zeit, in der man langsam ruhiger wird, wieder mehr Zeit daheim verbringt, auch mal auf dem Sofa ein Buch liest, den ersten heißen Tee trinkt.

 

So wird auch das Leben im Alter ruhiger. Der Körper ist nicht mehr ganz so belastbar. An manchen Tagen hat man vielleicht auch Schmerzen oder fühlt sich nicht wohl. An anderen Tagen geht es einem hervorragend und man fühlt sich gut. Man nimmt an Ausflügen teil, schaut noch einmal auf sein Leben und entdeckt es vielleicht noch einmal ganz neu. Man genießt das Leben mit der Familie, vielleicht auch die ersten Enkelkinder. Der Mensch steht fest im Leben und weiß, wer er ist. Im Laufe der Jahre hat man viele Erfahrungen gemacht und kann nun die Früchte seiner Taten ernten.

 

Winter

Der Winter ist geprägt von Ruhe und Besinnung. Der Mensch hält sich überwiegend im Haus auf, macht es sich gemütlich und sucht die Wärme. Auch im Winter scheint die Sonne und wärmt die Seele, aber kaum den Körper. Es schneit, es gefriert. Die Natur ruht. Es hat den Anschein als wäre sie tot und würde nie wieder zum Leben erwachen.

Und doch, auch wenn man es nicht sieht, so bilden sich bereits wieder die ersten neuen Triebe, die neues Leben versprechen. Ähnlich, wie die Familie, die größer wird und unser Leben weiterträgt, auch wenn wir selbst unsere sterbliche Hülle bereits verlassen haben. Es gibt kein Ende, die Jahreszeiten und das Leben sind ein Kreislauf, der immer wieder von vorne beginnt..

 

Wie siehst Du das?

 

Tanja

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