Kannst du Kritik als Chance erkennen?

Mit Kritik ist das so eine Sache. Kaum einer äußert sie gerne und noch weniger wollen wir welche bekommen.

Doch Kritik gehört zum Leben. Wir können ihr nicht immer aus dem Weg gehen. Die Frage ist nur: Wie gehen wir mit ihr um?

 

Laut Definition ist Kritik die individuelle Beurteilung einer Handlung oder eines Gegenstands und hat eine Absicht.

 

Individuell ist Kritik, weil wir unterschiedliche Einstellungen und Wertvorstellungen haben. Was für den einen Menschen ein Anlass zum Kritisieren ist, bemerkt der andere womöglich noch nicht einmal. Auch die Absicht, mit der wir Kritik äußern, ist individuell. Der eine möchte vielleicht auf Dinge aufmerksam machen, die nicht optimal laufen, der andere versucht dadurch von seinen eigenen Schwächen ablenken. 

 

Auf Kritik reagieren wir unterschiedlich:

  1. Wir verteidigen uns und versuchen unser Verhalten zu begründen.
  2. Wir weisen die Kritik von uns und starten einen Gegenangriff.
  3. Wir ziehen uns gekränkt aus der Situation und lecken im stillen Kämmerchen unsere Wunden. 
  4. Wir nutzen die Kritik und reflektieren unser Verhalten.

Die Entscheidung, wie wir mit Kritik umgehen, ist situationsabhängig. Das eine Mal verteidigen wir uns vielleicht, weil wir die Kritik als ungerecht empfinden, beim nächsten Mal ziehen wir uns womöglich zurück, weil wir uns emotional getroffen fühlen. Was in dem Moment passend oder unpassend ist, entscheidet jeder für sich selbst.

 

Wie sieht es mit dir aus? Erkennst du dich in den vier Punkten wieder? Reagierst du immer unterschiedlich oder favorisierst du ein Verhalten? Startest du immer einen Gegenangriff oder ziehst dich generell erst einmal gekränkt zurück? Oder hast du erkannt, dass Kritik zwar erst einmal nicht angenehm ist, aber auch eine positive Seite haben kann?

 

 

Kritik kann auch eine Chance sein.

 

Damit wir diese Chance nutzen können, brauchen wir einen kühlen Kopf. Das ist nicht immer leicht. Helfen können dabei diese Vorgehensweisen:

 

Erste Hilfe

Wenn uns jemand kritisiert, reagiert unser Körper sofort: das Herz schlägt schneller, uns wird warm, die Beine zittern, die Wangen werden rot. Kurzum: wir sind aufgeregt.

In dieser Situation hilft es, erst einmal tief durchzuatmen und sich zu sammeln. Bitte notfalls dein Gegenüber um eine kurze Bedenkzeit. Das hilft dir, nicht gleich zu einem Gegengriff zu starten und offen für das zu sein, was der andere dir mitteilen möchte.

 

 

Berechtigt?

Wenn du Kritik bekommen hast, überlege dir ob sie berechtigt ist. Behalte im Hinterkopf, dass du Kritik erst einmal anhören und dein Gegenüber anschließend um eine kurze Bedenkzeit bitten kannst.

 

Damit du wirklich verstehst, um was es deinem Kritiker geht, ist es wichtig ihm zuzuhören, ihn ausreden zu lassen, bei Unklarheiten Fragen zu stellen und zu versuchen, seine Argumente nachzuvollziehen.

 

 

Hinterfragen

Finde heraus, was deinen Kritiker genau stört. Ein "Sie sind immer so abweisend" ist erst einmal eine sehr allgemeine Aussage.

Frage, woran dein Gegenüber merkt, dass du abweisend bist. An welchen Situationen macht er es fest?

 

Auf diesem Wege findest du heraus, worauf der andere seine Kritik stützt und was du gegebenenfalls besser machen kannst. Oft kommt bei genauen Nachfragen auch heraus, dass es sich lediglich um eine einzelne Situation handelt, die pauschalisiert wurde. Manchmal ist es auch nur ein Missverständnis.

 

 

Nicht persönlich nehmen

Kritik solltest du nicht persönlich nehmen. Meist ist sie auf eine Leistung oder ein Verhalten, aber nicht auf die Person dahinter bezogen. Sie macht dich auf Fehler und Schwächen aufmerksam und zeigt dir, woran du noch arbeiten kannst und in welchen Bereichen es noch nicht rund läuft. Die Entscheidung ob du etwas veränderst, liegt alleine bei dir!

 

Wie gehst du mit Kritik um? Erzähle mir davon!

 

Tanja

Anmerkung: Solltest du in deinem Umfeld jemanden haben, der dich ständig kritisiert oder sogar abwertet, wird dir dieser Beitrag nur bedingt weiterhelfen. Hole dir in diesem Fall bitte Hilfe von einer vertrauensvollen  Person aus deinem Umfeld.

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Bettina (Mittwoch, 29 März 2017 19:01)

    Ja das mit der Kritik ist das so eine Sache......ich kann damit gut umgehen, sofern sie konstruktiv ist und Sinn macht.

    Allerdings werden oft Themen vermeindlich kritisiert, die im eigentlichen Sinne eine Meinungsüberstülpung der Person sind, die sie äußert. Diese Worte darf dann derjenige gerne behalten ;-)

    Verstehst du was ich meine?

    Alltagsfeierliche Grüße

    Bettina

  • #2

    Jeanne (Donnerstag, 30 März 2017 09:00)

    Liebe Tanja,
    ich hab mich von Punkt 1-3 wiedererkannt, weia!! Shame on me!! ich gebe es ehrlich zu: ich kann mit Kritik nur sehr schwer umgehen, vor allem, wenn sie in meinen Augen völlig aus der Luft gegriffen ist; da halte ich es dann in Dieter-Nuhr-Manier: ..."und wenn man wirklich nichts gescheites dazu beizutragen hat, wie wäre es dann, mit einfach mal die Klappe halten??"....
    Ich ziehe mich dann wirklich beleidigt zurück und lecke meine Wunden! (ob das mit meinem Sternzeichen "Löwe" zu tun hat?) Aber durch deine Beiträge wird man animiert, einen anderen Blickwinkel zu bekommen und an sich zu arbeiten...es gibt also viel zu tun-packen wir´s an, lach :))...
    Sei ganz lieb gegrüßt

    Jeanne

  • #3

    Tanja@MeineKraftquelle (Donnerstag, 30 März 2017 12:34)

    Hallo Bettina,

    ja, ich kann verstehen was du meinst. Wenn Kritik sachlich und wertschätzend geäußert wird, kann ich damit auch gut umgehen. Ich sehe sie mittlerweile als ein Feedback an, das mir die Chance gibt, mich weiterzuentwickeln und mich zu verbessern.

    Wenn dir allerdings unter dem Deckmantel "Kritik" jemand versucht, seine Meinung aufzudrücken, hat das eine ganz andere Absicht. Ich kann in dem Fall auch verstehen, dass du davon nicht sonderlich begeistert bist. Das würde mir auch nicht anders gehen.
    Sollte dir das öfter passieren, kannst du dir vielleicht ein paar nette Worte überlegen, mit denen du das unterbinden kannst? :-)


    Liebe Jeanne,
    vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Die ersten drei Punkte sind mögliche Verhaltensweisen, die aber nicht "falsch" sind. Wenn dich jemand kritisiert und du erst einmal nichts beizutragen hast, ist es völlig legitim, wenn du dich zurückziehst. Das ist oftmals besser, als wenn du den anderen gleich zerfetzt (würde auch zum Löwen passen ;-) ).
    Wenn du deine Wunden erst einmal erstversorgen musst, dann ist das so.

    Oft ist es so, dass man erst nach einigen Minuten des Nachdenkens die Kritik an sich heranlassen kann, um zu beurteilen ob sie gerechtfertigt ist oder nicht. Und manchmal fallen einem die besten Argumente erst später ein. Es ist aber nie zu spät für ein weiteres Gespräch!

    Du weißt, ich glaube an dich. ;-)

    Liebe Grüße an euch beide!
    Tanja