Den rechten oder den linken Weg?

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Manchmal stehen wir im Leben vor Entscheidungen, die uns nicht leicht fallen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, und wir wissen nicht immer sofort, welche davon wir wählen sollen. So erging es mir in diesen Tagen.

 

Gefühlsmäßig stand ich an einer Wegkreuzung. Ein Weg führte nach links, einer nach rechts.

An dieser Stelle stand ich in den letzten Jahren schon des Öfteren. Anfangs wunderte ich mich noch. Warum komme ich immer wieder an diese Wegkreuzung? Warum muss ich mich immer wieder entscheiden, ob ich nach rechts oder links  gehen möchte?

 

Irgendwann habe ich mir diese Fragen nicht mehr gestellt. Ich war es müde geworden. Wenn ich mal wieder an der Stelle stand, zögerte ich nicht, sondern ging schnurstracks nach rechts. Und es war gut! Da war keine Angst, kein Bereuen und keine Unsicherheit.

 

Den rechten Weg kenne ich mittlerweile wie meine Westentaste. Er ist mir vertraut. Ich bin ihn schon so oft gegangen, dass ich ihn auch mit geschlossenen Augen gehen könnte.

Ich kenne all die Besonderheiten auf diesem Weg. Ich weiß, wo eine große Dornenhecke ist. Wo die schönsten Blumen wachsen, wo ich mich im Schatten eines mächtigen Baumes ausruhen kann. Ich kenne die Plätze, an denen die Aussicht einfach nur grandios ist.

Ich weiß aber auch, an welchen Stellen ich schneller laufen muss, weil dort ein Grauen auf mich wartet, dem ich niemals begegnen möchte. 

 

 

Wieder an der Kreuzung

In diesen Tagen stand ich also erneut an diesem Wegkreuz, und zum ersten Mal schaute ich nach links. Das erste Mal kam mir der Gedanke: Wohin führt eigentlich dieser Weg?

 

Ich habe meine Entscheidung, den rechten Weg zu gehen, nie in Frage gestellt - bis heute. Jetzt war sie da, diese zaghafte Stimme, die mich fragte, was wohl passieren würde, wenn ich dieses Mal den anderen Weg wählen würde. Eine zarte Stimme, die Neugier in mir weckte. Eine große Neugier. Eine ZU große Neugier...

 

Ich begann zu grübeln. Unzählige Nächte lag ich wach und überlegte:

 

Was kann passieren, wenn ich mich für den einen Weg entscheide und was, wenn ich den anderen wähle?

Wähle ich die Sicherheit oder die Unsicherheit?

Möchte ich weiter in einer Dauerschleife hängen?

Immer wieder an die gleiche Stelle kommen?

Oder ist es nun an der Zeit für eine Veränderung?

Wird der neue Weg leicht oder schwer zu gehen sein?

Werde ich auf ihm mein Glück finden oder wird er mich in großes Unglück reißen?

 

Ich weiß es nicht!

Ich werde es nur erfahren, wenn ich Neues wage.

Nur eines ist ganz sicher, das spüre ich ganz tief in meinem Innersten: wenn ich mich für den rechten Weg entscheide, werde ich nie wieder an dem Wegkreuz stehen. Das ist unmöglich! Werde ich damit leben können?

 

 

 

Die Entscheidung

 

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Nein, ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Aber schließlich habe ich sie getroffen. Ich habe all meinen Mut zusammen genommen und bin den ersten Schritt nach links gegangen.

 

Und es passierte erstmal...nichts! Ich ging noch einen Schritt weiter. Wieder nichts! Ich drehte mich noch einmal um. Schaute zum Wegkreuz. Sollte ich noch einmal zurückgehen und doch den anderen Weg wählen? Nein, dieses Mal nicht! Weiter geht es! Einen Schritt vor den anderen.

 

Noch ist nicht abzusehen, was mich auf dem neuen Weg erwarten, wie er mein Leben beeinflussen wird. Doch das wird sich mit der Zeit zeigen.

Bald werde ich wissen, ob er an manchen Stellen schwer zu gehen ist. Ob ich mir bei Schwierigkeiten selbst werde helfen können oder Unterstützung von außen brauche. Ich werde erfahren, ob ich alles dabei habe, was ich brauche. Bin ich gerüstet für Wind, Regen und Sonnenschein? Kann ich größere Felsen überwinden, über spitze Steine laufen und Steigungen schaffen? Werde ich gar klettern müssen?

Wird es diese Hindernisse überhaupt geben?

Habe ich genug bei mir, um bei Kräften zu bleiben?

Was soll ich machen, wenn ich wieder an eine Kreuzung komme und mich neu entscheiden muss: rechts oder links?

 

Ich weiß es nicht! Ich werde es herausfinden!

 

Ich weiß, dass ich Liebe, Mut und den Glauben an mich selbst dabei habe. Ich weiß, dass ich das sichere Netz von stabilen Freundschaften in meinem Rucksack habe. Ich bin offen, ich bin frei. Ich bin aber auch achtsam. Ich schaue genau, an welchen Stellen ich meinen Fuß absetze, wo ich mich notfalls festhalten kann.

 

Ich werde auf mich aufpassen! Ich werde wachsen und reifen, neue Erfahrungen machen. Neue Gebiete in meinem Leben entdecken. Vielleicht lande ich in der Wüste. Vielleicht im ewigen Eis am Nordpol. Vielleicht im Regenwald, oder doch an einem Traumstrand in der Karibik. Wer weiß das schon?

 

Ja, jetzt ist die richtige Zeit, um mich auf einen neuen Weg zu begeben. Ich möchte weiterkommen, weil ich nur dieses eine Leben habe. Weil ich wissen möchte, was noch möglich ist. Weil ich jetzt stark genug bin, um etwas Neues auszuprobieren und meine eigenen Kräfte zu testen. Ich bin bereit, mir auf diesem Weg noch ein Stück näher zu kommen!

 

Und sollte in meinem Blog eines Tages ein Bild von einem traumhaften Südseestrand zu sehen sein, dann weißt Du, dass mich dieser neue Weg direkt ins Paradies geführt hat...

 

 

Welchen Weg wirst Du beim nächsten Mal wählen? Den rechten oder den linken?

 

Herzliche Grüße von

 

Tanja

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Lina (Dienstag, 20 Juni 2017 09:36)

    Gänsehaut pur. Das hast du so schön geschrieben! Ich wünsche dir, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast und es der richtige Weg für dich ist.
    Viele Grüße von Lina aus dem Norden

  • #2

    Jeanne (Mittwoch, 21 Juni 2017 11:47)

    Liebe Tanja,
    wow, das klingt wirklich spannend, was du da beschreibst und beim Lesen fiel mir automatisch der Satz ein, dem ich neulich einem Freund schickte, der immer nur jammert, (auch diese Thema kennst du nur zu gut! ;-), dass er nicht wirklich weiterkommt:
    "Wer immer nur das tut, was er schon kann,
    bleibt immer nur das, was er schon ist!"

    Er war auch der Meinung, dass er seinen alten Weg nur verlassen kann, wenn er den neuen schon gegangen ist. Ich musste ihm leider die Illusion rauben, denn es verhält sich genau umgekehrt: wir müssen erst loslassen und sprichwörtlich ins kalte Wasser springen, und in den allermeisten Fällen erweist sich dieser Weg im Nachhinein als der richtige. Ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen!!...

    Ich wünsche dir für deinen neuen Weg alles nur erdenkliche Gute und bin mir sicher, dass du richtig gewählt hast. :)

    Alles Liebe

    Jeanne

  • #3

    Tanja@Meine Kraftquelle (Mittwoch, 21 Juni 2017 15:56)

    Vielen Dank, ihr Lieben. :-)

    Mittlerweile bin ich schon einige Tage auf dem neuen Weg unterwegs und kann sagen: er ist bislang soviel einfacher zu gehen, als der Alte. Selbst das erste Hindernis, das aus der Ferne so riesig und unüberwindbar aussah, war ganz leicht zu bewältigen. Ich bin selbst überrascht.

    Ich glaube, am Schwersten ist immer der erste Schritt. Wenn man erst einmal die Entscheidung getroffen hat, geht es viel leichter.

    Ein schönes Zitat hast du deinem Freund da mit auf dem Weg gegeben. Da fällt mir spontan das Zitat von Manfred Grau ein, das ich auch der Startseite verlinkt habe:

    "Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen."

    Herzliche Grüße von
    Tanja