Geheimnisvolle Mondnacht - über den Erntemond und das Leben

Monatsmotto, Kraftquelle, Berge, Schritt für Schritt, in der Ruhe liegt die Kraft

Es ist spät am Abend. Ich habe lange gearbeitet und bin auf dem Heimweg.

Es war eine anstrengende Schicht. So viel Arbeit, so wenig Zeit.

 

Meine Glieder sind schwer wie Blei. Mir fallen fast die Augen zu und ich habe Mühe, mich auf das Fahren zu konzentrieren.

Die letzten Tage stecken mir in den Knochen.

 

Es ist warm im Auto. Das macht es mir nicht leichter, mich auf die Fahrbahn zu konzentrieren. Aber frieren möchte ich auch nicht.

Weit und breit ist kein anderes Auto zu sehen. Ich bin alleine auf der Landstraße. Alleine in der dunklen stillen Nacht.

 

Mir ist ein wenig unheimlich zumute, als ich das freie Feld verlasse und in in den dunklen Wald fahre. Vor kurzem hat ein Reh knapp vor meinem Auto die Fahrbahn überquert. Wäre ich nur eine Millisekunde früher an der Stelle gewesen, hätte es einen Zusammenstoß gegeben.

Seitdem habe ich ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich durch den Wald fahre. Das liegt auch an den Bäumen, die in der Dunkelheit wie drohende Schatten am Straßenrand stehen. 

 

Die letzten Stunden gehen mir noch einmal durch den Kopf. Ich habe in den letzten Tagen viel gearbeitet. Doch mehr arbeiten bedeutet auch, ein anderes Mal mehr frei zu haben. Das ist schon ok. Aber eben auch sehr anstrengend.

 

 

 

Erntemond

 

Das Ende des Waldes ist in Sicht. Ich lasse erleichtert den dunklen Wald hinter mir.

Und plötzlich ist er da, der Vollmond. Er ist in ein warmes gelbliches Licht getaucht, sieht riesig aus und scheint unglaublich nahe zu sein.

Hoffentlich fällt der Mond nicht gleich auf die Erde, schießt es mir durch den Kopf.

 

Ich setze den Blinker. Es gibt jetzt nur eine Sache zu tun. Links neben mir ist ein Wanderparkplatz. Dort halte ich an, stelle den Motor aus und schaue zum Mond hinauf. Er ist so faszinierend, dass ich nicht weiterfahren kann. Ich möchte ihn mir anschauen. In Ruhe.

 

Während ich das Licht vom Auto ausschalte, fällt mir plötzlich ein, dass es der Erntemond ist, den ich gerade sehe. Der erste Vollmond im Herbst. Früher war er für die Bauern sehr wichtig. Er bringt nämlich eine Besonderheit mit sich: noch während die Sonne untergeht, geht der Erntemond auf. Das hat den Bauern damals das Licht verlängert und damit auch die Zeit, in der sie ihre Ernte einbringen konnten.

 

Ich werfe einen Blick auf die Felder, die im hellen Mondlicht vor mir liegen.

Wie gut doch die Natur und der Mensch harmonieren, denke ich mir.

Früher jedenfalls. Wer weiß denn heute noch, dass der erste Vollmond im Herbst Erntemond heißt? Wer sieht denn das Wunder, das so offensichtlich vor uns liegt?

Welche Bedeutung hat der Herbstmond in der heutigen Zeit überhaupt noch, wo die Bauern mit riesigen Traktoren und im hellen Flutlicht selbst in der tiefsten Nacht und bei bedecktem Himmel ihre Ernte einbringen können? Vermutlich keine mehr...

 

Wann haben wir eigentlich unsere Verbindung und unser Wissen über die Natur verloren? Wie schade dass doch ist, denn gerade in unserer technisierten Welt kann die Natur der Ausgleich sein, der uns uns wieder in Balance bringt.

 

 

 

Veränderung

 

Wie faszinierend dieser Mond doch ist. Monat für Monat verändert er sich. Aus der kleinen schmalen Sichel wird ein großer runder Vollmond und aus ihm wenige Tage später wieder eine Sichel. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Unermüdlich. Und jede Mondphase hat ihre Besonderheiten. Wie oft lag ich in hellen Vollmondnächten unruhig im Bett und konnte nicht einschlafen?  Wie oft habe ich mich bei Neumond besonders kreativ und energiegeladen gefühlt?

 

Wie sehr der Mond doch mein Leben beeinflusst, ohne dass ich mir dessen bewusst bin. Und wie wenig mein Leben den Mond beeinflusst...

 

Mein Blick ist wie gebannt auf den Vollmond gerichtet. Seine Magie wirkt auf mich. Was er wohl alles schon gesehen hat? Wie klein mag mein Leben von dort oben aus betrachtet sein? Nur ein Wimpernschlag.

Generationen von Menschen hat der Mond kommen und gehen sehen. Er wird selbst dann noch am Himmel stehen, wenn es mich längst nicht mehr gibt.

 

Nur ein Wimpernschlag.

 

Diese Worte lassen mich nicht mehr los. Wie unbedeutend doch plötzlich all das erscheint, was mich eben noch beschäftigt hat. Wie klein sich all meine Probleme, Belastungen und Ärgernisse mit einem Mal anfühlen.

 

Nur ein Wimpernschlag.

 

Ich sitze noch immer im mittlerweile kühlen Auto und starre auf den Erntemond. Eben noch müde und erschöpft, fühle ich mich nun voller Energie. Ob es an der Magie des Mondes liegt? Ich weiß es nicht. Es spielt auch keine Rolle.

Ich starte den Motor. Schaue ein letztes Mal auf den Vollmond und danke ihm innerlich. Dann setze ich meinen Heimweg fort.

 

Nur ein Wimpernschlag....

 

Kannst Du die Magie des Mondes spüren?

 

Herzliche Grüße von

 

Tanja

 

 

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