Eine bewusste Ernährung kann so einfach sein - meine Erfahrungen

Im November habe ich mir die Frage gestellt:

 

Wie kann es sein, dass wir soviel Zeit mit wesentlich unwichtigeren Dingen verbringen, aber gefühlt zu wenig Zeit haben, um uns eine abwechslungsreiche Mahlzeit aus frischen und hochwertigen Zutaten zu kochen?

 

Diese Frage hat mir keine Ruhe gelassen. Daher habe ich beschlossen, mir intensiv Gedanken darüber zu machen, was und wie ich esse. Von meinen Erfahrungen möchte ich Dir heute erzählen.

 

Zunächst einmal: ich habe weder meinen kompletten Speiseplan umgestellt, noch bin ich zur Veganerin geworden. Nein, darum ging es mir auch nicht. Mir war es wichtig, mich wieder bewusst mit den Lebensmitteln auseinander zu setzen und wahrzunehmen, was ich gerade zubereite oder esse.

 

Einen Schlüsselmoment hat mir meine Tochter geschenkt.

Es war ein hektischer Tag. Viel Arbeit und wenig Zeit. Also beschloss ich, dass es an der Zeit für einen (schnellen) Tee war, bevor ich mich wieder in die Arbeit stürzte. Rasch Wasser aufkochen, Teebeutel in die Tasse, ziehen lassen, fertig!

"Können wir ein bisschen Zucker in den Tee haben?" fragte da meine Jüngste. Ich nickte und stellte ihr die Zuckerdose hin, während ich in meinem Kopf schon wieder bei der To-do-Liste war.

Schnell stürzte ich die Hälfte von dem heißen Tee herunter und wollte mich umdrehen, da fiel mein Blick auf meine Tochter.

 

Andächtig stand sie da und ließ langsam etwas Zucker in den Tee rieseln. Sie sah zu, wie er auf den Boden der Teetasse sank. Dann ließ sie die nächsten Zuckerkörner ins Wasser gleiten. Dabei strahlte sie eine Ruhe aus, es war unglaublich. Das Kind war in diesem Moment ganz bei sich und seinem Tun.

Achtsamkeit und Entschleunigung, zwei Dinge, mit denen wir Erwachsene uns manchmal schwer tun, waren für meine Tochter im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel. Sie brauchte nur eine Tasse Tee und etwas Zucker....

 

Am Ende trank meine Jüngste glückselig ihren Tee und ich bin mir sicher, dass sie ihn genauso genoß, wie zuvor das Dazugeben des Zuckers.

Und ich? Ich hatte im Alltagstrubel meinen Tee rasch getrunken und nicht einmal richtig wahrgenommen, welche Sorte es war!

 

 

 

 

Durch diese Erfahrung  war ich wieder bei meinem Thema für den November:

 

Wann haben wir eigentlich aufgehört, unser Essen und dessen Zubereitung wertzuschätzen?

 

Kinder können sich noch ganz auf den Moment konzentrieren. Wir Erwachsene haben es oft verlernt. Zu viel zu tun, keine Zeit...

Doch gerade im Bezug auf Lebensmittel ist das sehr schade, denn wir brauchen Essen um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Lebensmittel ernähren uns und ich finde, dass sie deshalb ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient haben.

 

Das ist im Alltagstrubel nicht immer einfach, aber es gab in den letzten vier Wochen einige Umstellungen, die mir unglaublich geholfen haben:

 

  • Ich habe mir Sonntags einen Kochplan geschrieben und notiert, was wir an welchen Tagen essen werden und welche Zutaten ich benötige. Das hat dafür gesorgt, dass ich Doppeleinkäufe größtenteils vermeiden konnte. (Du kennst das sicher auch, dass du noch eine Dose Tomaten mitnimmst und daheim feststellst, dass noch zwei in der Vorratskammer stehen?).
  • Nach Möglichkeit habe ich versucht für zwei Tage auf einmal zu kochen. Das klappt hervorragend bei Suppen, Eintöpfen oder auch Gemüsesoßen. So brauche ich an dem einen Tag etwas mehr Zeit zum Schnippeln und Kochen, benötige am nächsten aber nur noch ein paar Minuten, um das Gericht noch einmal zu erwärmen. Gerade für Berufstätige ist das eine super Lösung!
  • Ich habe bewusster eingekauft. Dadurch, dass ich mir die leidige Frage: "Was essen wir die nächsten Tage?" nicht mehr im Supermarkt stellen musste, hatte ich mehr Zeit für den Einkauf und war wesentlich entspannter. So wurde mir bewusst, dass das üblich gekaufte Netz mit 2 Kilo Orangen für uns total unsinnig ist. So viel schaffen wir nie bevor sie schlecht werden. Also kaufte ich lieber drei lose Orange, dafür die supersaftigen. Die kosteten zwar genau soviel wie das große Netz, dafür haben wir sie alle aufgegessen (köstlich waren sie! Und Plastik konnten wir dadurch auch noch einsparen!).
  • Überhaupt hat es mir sehr geholfen, weniger Fülle auf dem Tisch zu haben. Es muss nicht immer das große Abendbrot mit Aufschnitt, Käse, Knabbergemüse, Essiggurken und gekochten Eiern sein. Diese große Auswahl lähmt mich manchmal. Weil ich nicht weiß, was ich nehmen soll, nehme ich einfach alles und kann es dann gar nicht richtig genießen. Deshalb gibt es bei uns nun häufiger einfach nur ein Rührei mit Tomaten oder Käsebrot mit Äpfeln. Das ist günstiger, schmeckt lecker und macht mindestens genauso satt.

 

Ich glaube, dass genau das der Punkt ist: Wenn es von etwas weniger gibt, weiß man es mehr zu schätzen!

Deshalb wird es bei mir zukünftig weniger von allem geben. Das betrifft Lebensmittel, aber auch andere Bereiche in meinem Leben. Doch das wäre dann wieder ein anderer Blogbeitrag...

 

 

 Wie gehst Du mit Lebensmitteln um?

Wann ist für Dich weniger mehr?

 

 

Herzliche Grüße von

 

Tanja

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Jeanne (Dienstag, 05 Dezember 2017 21:43)

    Mei, du haust momentan die Beiträge raus, da kommt man wirklich nicht mehr hinterher, mit Kommentieren *Lach*!....
    Aber dein Beitrag "flasht" mich total; das Schlüsselerlebnis mit deiner Kleinsten zeigt doch nur, dass es oftmals so wenig braucht. Wir Erwachsene hetzen zu oft dem Großen Ganzen hinterher und verlieren leider nur allzuoft die vielen schönen kleinen Dinge aus den Augen, die das Leben so lebenswert machen. Hieß es nicht irgendwo: "wenn ihr nicht werdet wie die Kinder"....?
    Und ich finde, du hast vollkommen recht: Weniger ist oftmals mehr!! Lieber weniger Auswahl, aber dafür bessere Qualität, wie dein Beispiel mit den Orangen so schön zeigt; das kann ich als Ernährungsberaterin voll und ganz unterstreichen :) Bin mal gespannt, wohin euch dieses Thema führt- es bleibt auf alle Fälle spannend.
    Ich wünsche euch weiterhin ganz viele solcher wunderbaren Momente
    Ganz liebe Grüße

    Jeanne

  • #2

    Tanja@MeineKraftquelle (Mittwoch, 06 Dezember 2017 14:36)

    Liebe Jeanne,

    vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Ja, manchmal ist weniger mehr. Das fängt bei den Lebensmitteln an und geht in ganz vielen anderen Bereichen weiter.
    Ich glaube, dass man die Dinge wieder mehr zu schätzen weiß, wenn man weniger davon hat. Dann bleibt auch wieder mehr Zeit, um die kleinen Wunder im Alltag zu bewundern!

    Herzallerliebste Grüße von
    Tanja

  • #3

    Tanja (Montag, 11 Dezember 2017 17:32)

    Hallo Tanja! Den Beitrag find ich super! Wir stressen uns oft unnötig und schlingen schnell, schnell was hinunter. Der Genuss bleibt dabei völlig auf der Strecke. Oft machen wir uns schon gar keine Gedanken mehr worauf wir denn eigentlich Lust haben. Das geht in eine völlig falsche Richtung meiner Meinung nach. Achtsam Essen steht bei mir zur Zeit auch am Plan. Ich versuche alles rundherum auszumachen, kein Handy, kein Fernseher, usw. und mit nur auf's Essen zu konzentrieren. Das bringts total. Vor allem auch um nicht zu viel zu essen!
    Ich schick dir liebe Grüße aus Tirol! Auch Tanja ;-)

  • #4

    Tanja@MeineKraftquelle (Montag, 11 Dezember 2017 20:45)

    Liebe Tanja,

    da triffst du genau den Punkt: wir sind so oft mit mehreren Sachen gleichzeitig beschäftigt, dass wir uns auf unser Tun gar nicht mehr richtig konzentrieren können.
    Wie oft denken wir beim Essen noch an die To-Do-Liste, checken Mails oder googeln etwas nach?

    Dabei ist das bewusste Essen so wichtig und tut so gut!
    Wenn wir dort anfangen mehr zu Genießen, wird es uns sicher auch in anderen Bereichen gelingen.

    Liebe Grüße auch an dich von der hessischen
    Tanja