Der Gnom, das Auto und ich

Gnom, Geschichten aus dem Leben, Kraftquelle, der tägliche Wahnsinn

Neulich trug es sich zu, dass ich mit meinen Kindern für einen Tag zum Schlittenfahren in den Bergen war.

Wir hatten einen vergnüglichen Tag, an dem der kleine dicke fiese Gnom ausgesprochen schweigsam gewesen war. 

Auch auf dem Heimweg saß er ruhig und in sich gekehrt auf dem Beifahrersitz. Es sollte mir recht sein. Ein Tag Pause tat uns beiden ohne Frage sehr gut.

 

Falls Du nicht weißt, wer der Gnom ist, kannst Du in meinem Beitrag “Kleiner dicker fieser Gnom" mehr über ihn erfahren. Kurz zusammengefasst handelt es sich bei ihm um ein Symbol für mein Leben, das immer die ein oder andere Überraschung für mich bereithält, besonders dann, wenn ich nicht damit rechne.

 

Doch zurück zur Heimfahrt. Auf halber Strecke war es den Kindern und mir nach einem heißen Tee. Also fuhr ich rechts ran, parkte auf dem Seitenstreifen und schenkte jedem eine Tasse von dem heißen Getränk ein. Wie gut das tat!

Glücklich saßen wir im warmen Auto, die Heizung lief, es wurde tolle Musik im Radio gespielt, wir wärmten uns die noch etwas klammen Finger am warmen Becher und genossen den Augenblick - zumindest so lange bis ich bemerkte, dass der Gnom neben mir anfing zu grinsen. Erst war es nur ein kaum merkliches Zucken der Mundwinkel, aber schon bald grinste er von einem Ohr zum anderen.

"Was ist denn so witzig?" fragte ich ihn argwöhnisch. Doch er schüttelte nur den Kopf und grinste weiter. Ich schaute ihn genauer an. Hatte der Gnom etwa Lachtränen in den Augen?

In mir schrillten alle Alarmglocken. Wenn sich der Gnom so verhielt, dann konnte das nichts Gutes bedeuten!

 

Hektisch überprüfte ich mein Umfeld. Die Kinder saßen ruhig auf der Rückbank und tranken ihren Tee, der wie immer schmeckte. Das Auto parkte sicher am Straßenrand. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Im Radio lief ein Song, der mehrmals täglich gespielt wurde. Mit einem Blick in den Spiegel hatte ich mich vergewissert, dass meine Schminke nicht verlaufen war. Was zum Teufel amüsierte also den Gnom so sehr?

Ich wurde panisch. Ich hatte irgendwas übersehen. Aber was nur?

 

Während ich noch überlegte, gab es plötzlich ein komisches Knacken im Motorraum. Das Radio ging mit einem lauten Brummen aus. Das Licht flimmerte noch einmal kurz auf und wurde dann dunkel. Die Anzeige im Armaturenbrett schlug hektisch nach rechts aus und ging dann auf 0. Auch die Heizung war plötzlich wie tot.

Mit einem Schlag herrschte im Auto eine gespenstische Stille. Erst starrte ich auf die dunkle Armatur, dann auf das Radio. Nichts!

 

Ganz langsam drehte ich mich zum Gnom.

"Das hast du gewusst!" presste ich mühsam hervor.

Er grinste mich an. "Und wenn es so wäre?"

"Du hast gewusst, dass das passieren wird!" schrie ich ihn an. Mit meiner Beherrschung war es jetzt vorbei.

"Und trotzdem hast du mich nicht gewarnt!"

"Das stimmt", bestätigte er in aller Seelenruhe. "Jeder vernünftige Mensch weiß doch, dass man bei ausgeschaltetem Motor nicht gleichzeitig Heizung und Radio laufen lässt. Schon gar nicht bei dieser Kälte."

 

In diesem Moment hätte ich ihn am liebsten erwürgt. Nur die Kinder auf der Rückbank, die mit großen Augen unser Wortgefecht verfolgten, hielten mich davon ab.

 

"Das ist ein fast neues Auto. Woher soll ich denn wissen, dass die Batterie so schnell schlapp macht?" presste ich stattdessen hervor und schaute starr aus dem Fenster.

"Du hättest mich ja fragen können", antwortete der Gnom und lehnte sich, jetzt wo er kein Attentat mehr von mir zu erwarten hatte, entspannt im Sitz zurück.

In meinem Bauch fing es an zu brodeln.

"Du hättest ja auch was von dir aus sagen können. Immer lässt du mich ins offene Messer laufen!" warf ich ihm vor.

Da lachte er laut auf. "Schätzchen, es ist mein Job, dich ins offene Messer laufen zu lassen. Dein Leben wäre sonst total langweilig!"

 

"Mama", kam es in dem Moment vom Rücksitz, als ich dem Gnom an den Hals wollte, "können wir jetzt endlich heimfahren? Es wird kalt!"

Ich holte tief Luft und drehte mich zu meinen Kindern um.

"Was haltet ihr davon, wenn uns der Gnom im Auto heimschiebt?" fragte ich.

"Oh ja," riefen die Kinder auf der Rückbank und begannen ihn anzufeuern.

"Gnom, schieb los, Gnom schieb los!"

 

Dieser starrte mich fassungslos an.

"Na los, wir warten" sagte ich zu ihm und war nun diejenige, die grinste.

Der Gnom warf mir einen bitterbösen Blick zu und stieg aus. Natürlich nicht um uns anzuschieben (was bei einer leeren Batterie auch wenig Sinn machen würde) sondern um schmollend am Straßenrand zu stehen.

Doch ich hatte nun wieder die Oberhand und das war das, was zählte.

 

In diesem Sinne: wenn auch Dein Gnom wieder einmal zuschlägt, lass Dich nicht unterkriegen! Am Ende wird alles wieder gut! 

 

Herzliche Grüße von

 

Tanja

 

 

Ps: Glücklicherweise wohnt eine gute Freundin von mir in der Nähe unserer Parkstelle. Sie kam nach meinem Hilferuf umgehend mit ihrem Mann, der mir das Auto überbrückte.

Am nächsten Tag ließ ich die Batterie wechseln. Nicht, dass der Gnom nochmals einen Grund zum Grinsen bekommen würde.

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Jeanne (Freitag, 19 Januar 2018 13:39)

    Liebe Tanja,
    deine Geschichten mit dem Gnom sind so lustig, du solltest wirklich (Kinder-) Bücher schreiben. Ich sehe ihn auch jedesmal bildlich vor mir und kann dir eine detaillierte Beschreibung geben, *lach*...
    Aber zum Glück ist ja alles gut ausgegangen und du bist wieder um eine Erfahrung reicher ;-)
    Sei ganz lieb gegrüßt

    Jeanne

  • #2

    Tanja@Meine Kraftquelle (Samstag, 20 Januar 2018 11:25)

    Liebe Jeanne,

    vielen tausend Dank für dein Kompliment.
    Mein großer Traum ist es ja, ein Buch zu schreiben. Wer weiß, vielleicht spielt irgendwann der Gnom eine wichtige Rolle.
    Aber erst sollen die Kinder noch etwas größer werden. Ich sehe mich zum Schreiben nämlich irgendwo im Warmen in einer Finca, mit direktem Blick aufs Meer.

    Schreib mir doch mal bei Gelegenheit, wie in der Gnom in deiner Vorstellung aussieht. Mal sehen, ob wir da ein ähnliches Bild im Kopf haben - bestimmt, wie ich uns kenne. . ;-)

    Sei von mir ganz herzlich gegrüßt,
    Tanja

  • #3

    Homelottes Handarbeiten (Samstag, 20 Januar 2018 16:09)

    Ohja bitte schreibe doch bitte .... deine Geschichte ist wundervoll!
    Ein schönes Wochenende
    LG Bett

  • #4

    Petra (Samstag, 20 Januar 2018 17:18)

    Liebe Tanja, eine sehr unterhaltsame und amüsante Geschichte hast Du da für uns vorbereitet. Hab ein schönes Wochenende, liebe Grüße auch an den Gnom, Petra

  • #5

    Jeanne (Samstag, 20 Januar 2018 19:57)

    Hahaha, wir ticken wirklich ähnlich: ich sehe mich ebenfalls an einem Holztisch, mit Blick aufs Meer, und einer Flasche Rotwein, Baguette und Käseplatte- mehr brauch ich nicht...Also?? Wo setzen wir uns zur Ruhe *lach*
    Also: dieser Gnom ist, wie der Name schon sagt ziemlich klein und rundlich, besser gesagt, hat er einen ziemlich großen Kugelbauch und eine wirklich große und häßliche Nase, fast schon birnenartig. Mein Gnom ist komischerweise grün(frag mich bloß nicht warum- müsste mal meinen Therapeuten fragen, hahaha!) aber in einem Kinderbuch würde ich ihn ähnlich wie die Trolle in Skandinavien anziehen....
    Und wie sieht dein Gnom aus??
    Warum schreibst du denn nicht jetzt schon solche Kurzgeschichten als Überraschung für deine Kinder?? Z.B. warum der Gnom ihnen jeden Morgen am Bein hängt, wenn sie zur Schule müssen, oder ihnen einreden will, dass sie Mathe nicht können, usw. usf....ach, da geht sofort meine Fantasie mit mir durch!...Und wenn du zeichnerisch wirklich nicht so begabt bist, kannst du ja immer noch meine Tochter fragen ;-)
    In diesem Sinne ganz liebe Grüße

    Jeanne

  • #6

    Tanja@MeineKraftquelle (Sonntag, 21 Januar 2018 17:14)

    Vielen lieben Dank, Bett und Petra. Ich freue mich sehr, dass Euch meine Geschichte gefällt und es motiviert mich zum Weiterschreiben.
    Die nächste Geschichte ist bereits in Arbeit, denn ich hatte da gestern wieder ein Erlebnis mit dem Gnom, unglaublich! ;-)


    Liebe Jeanne,
    was hälst Du von Frankreich? ;-)
    Ich arbeite schon fleißig daran, dass es für eine kurze Testphase im Sommer klappt. ;-)
    Salami, die würde mir zum Schreiben aber noch fehlen. Und einen leckeren Kaffee für zwischendurch. Dafür würde ich dir den Rotwein auch ganz alleine überlassen. ;-)

    Mein Gnom sieht deinem sehr ähnlich. Allerdings ist er nicht grün! (Grün steht übrigens für Neues und für Frisches, also finde ich es erst einmal nicht bedenklich. Das wäre es aber, wenn der Gnom grün wäre, weil ihm übel wäre - kannst du einen chronischen Magen-Darm-Infekt aussschließen?).
    Meiner ist auf jeden Fall sehr rund, hat einen runden Kopf, Pausebacken und wird schnell rot. Und er trägt immer Anzugshose und ein weißes Hemd. Haare hat er keine - Ähnlichkeiten mit real lebenden Menschen könnten zufällig oder beabsichtigt sein. ;-)

    Für die Kinder schreiben? Das ist eine tolle Idee! Darüber werde ich mir ein paar mehr Gedanken machen, denn ganz ehrlich, daran habe ich noch gar nicht gedacht!
    Danke für diese Idee!!!

    Ganz liebe Grüße von
    Tanja