Der Gnom, die Enten und ich

Gnom, Geschichten aus dem Leben, Kraftquelle, der tägliche Wahnsinn

Der gute Herr Gnom, er hat wieder zugeschlagen. Ich finde es äußerst erstaunlich, dass er sich immer dann etwas "Besonderes" für mich einfallen lässt, wenn ich es so gar nicht gebrauchen kann. Er hat wirklich ein Talent dafür, mir den Tag zu versauen....nein...ich bin ja ein positiver Mensch. Demnach muss es an dieser Stelle heißen: er hat wirklich ein Talent dafür, meinen Tag interessant zu gestalten...

 

In der neusten Geschichte spielen Enten eine wichtige Rolle.

Was da genau passiert ist, verrate ich Dir gleich. Zuerst noch den Hinweis an alle neuen Leser auf "Meine Kraftquelle":

 

Falls Du nicht weißt, wer der Gnom ist, kannst Du in meinem Beitrag “Kleiner dicker fieser Gnom" mehr über ihn erfahren.

 

Doch kommen wir zu der Geschichte, die sich vor ein paar Tagen zugetragen hat. Ja, richtig gelesen. Es ist schon vor einigen Tagen geschehen. Ich kann über solche Erlebnisse nicht gleich schreiben. Ich brauche immer erst ein paar Tage, um das Geschehene zu verarbeiten und zurück zu meiner "inneren Balance" zu finden.

 

 

Zunächst war die Welt noch in Ordnung

 

Dieser Tag, der in die Geschichte eingehen wird und von dem noch meine Urenkel erzählen werden, begann ganz ruhig. Ich konnte ausschlafen, erledigte am Vormittag den Haushalt, kochte ein schmackhaftes und ausgewogenes Mittagessen und nach einer kleinen Verdauungspause fuhr ich mich mit den Kindern in die Bücherei. Dort verbrachten wir zwei gemütliche Stunden, stöberten nach neuen Schätzen, probierten Spiele aus, schmökerten in Zeitschriften und natürlich gab es auch ein, vielleicht auch zwei Kaffee für mich (erwähnte ich schon, dass die Bücherei so etwas wie mein zweites Wohnzimmer ist?).

 

Auf dem Rückweg kauften wir noch einige Lebensmittel. Es war mittlerweile nach 18 Uhr und ich spürte, dass ich müde wurde. Nun noch schnell die Einkäufe wegräumen, einen Salat schnippeln und dann ab aufs Sofa - so sah mein Plan aus.

Doch ich war noch nicht richtig vor dem Haus zum Halten gekommen, als ich zwei Nachbarn vor meiner Tür stehen sah. Sie gestikulierten wild mit den Händen und schienen in eine lebhafte Diskussion vertieft zu sein.

 

Ich warf einen beunruhigten Blick zum Gnom. Der saß seelenruhig auf dem Beifahrersitz und schaute starr aus dem Fenster.

"Was ist da los?" fragte ich ihn leise.

Er zuckte mit der Schulter.

Ich hatte den unstillbaren Drang ihn kräftig zu schütteln. Doch bevor ich dazu kam, sprach eine Kinderstimme von der Rückbank: "Mama, die Nachbarn stehen vor unserer Tür."

"Ja, mein Kind, das habe ich auch bemerkt. Die Frage ist nur, was sie hier wollen."

"Geh doch hin und frag sie!" kam es mit trockener Stimme vom Gnom. Sein Blick war noch immer starr geradeaus gerichtet.

"Das mache ich jetzt auch!"

Energisch öffnete ich die Autotür, stieg aus und ging mit einem freundlichen Lächeln auf die Nachbarn zu.

Kaum hatten die Beiden mich bemerkt, kamen sie auch schon auf mich zugestürmt.

"Du musst kommen..."

"Schnell, sonst wird es böse enden."

"Wir haben schon alles versucht, aber wir können sie nicht erwischen. Sie sind zu schnell!"

"Moment, bitte langsam, was wollt ihr mir sagen? Was genau ist passiert?"

Ich schaute von einem Nachbarn zum anderen. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, dass der Gnom ebenfalls ausgestiegen war. War ja klar, der wollte bestimmt sehen, wie ich auf die mir noch unbekannte Nachricht reagieren würde.

"Also, eure Enten...die sind ausgebüxt. Die laufen schon seit einer Ewigkeit durch den Ort. Im Moment sind sie bei mir im Garten. Wir haben alles probiert...."

"....doch wir können sie nicht einfangen", beendete der zweite Nachbar den Satz.

 

 

Kraftquelle, Laufenten, Natur pur, Landleben mit Tieren

 

 

Ich holte tief Luft. Die Enten sind ausgebüxt. Na toll! Wie haben sie aus dem Garten ausbrechen können?  Naja, die Frage war im Moment nicht relevant. Viel wichtiger war die Frage: wie konnte ich die Enten wieder einfangen? Das konnte heiter werden....

 

"Ja, nun weißt du ja Bescheid", unterbrach der Nachbar meine Gedanken. "Ich muss dann jetzt wieder rüber. Meine Nachtschicht fängt gleich an."

"Ich muss auch gehen. Meine Frau wartet mit dem Essen. Du schaffst das schon", munterte mich der andere Nachbar auf.

Bevor ich antworten konnte, waren sie auch schon verschwunden.

 

Ich drehte mich zum Gnom um und funktelte ihn böse an.

"Hast du die Enten rausgelassen?" zischte ich.

"Ich?"

Seine Stimme war so hoch, dass mir die Ohren schrillten.

"Ich war doch die ganze Zeit mit euch zusammen. Wann hätte ich das machen sollen?"

Er schaue mich so unschuldig an, dass sich das Brodeln in meinem Bauch verstärkte.

Doch ich hatte mich im Griff. Noch....

"Was soll`s ? Es ändert ja nichts an der Tatsache. Die Enten müssen eingefangen werden."

 

 

 

Der Spaß beginnt

 

Ich rief  die Kinder aus dem Auto und gemeinsam machten wir uns auf die Suche nach den Tieren. Glücklicherweise waren sie noch in Nachbars Garten. Wir würden sie einfangen und über den Zaun in den eigenen Garten geben müssen. Die Frage war nur: Wie bekommen wir sie aus dem dichten Gebüsch, das dort wuchs?

 

Die ersten zwanzig Minuten waren wir drei voller Motivation. Ein Kind trieb die Enten vorsichtig von der einen Zaunseite nach vorne, das zweite Kind verhinderte, dass die Enten nach links ins Unterholz verschwanden und ich stand bereit, um im richtigen Moment zuzugreifen. So konnten wir drei der Ausreißer zügig einfangen. Fehlte nur noch eine.

 

Nach 25 Minuten spürte ich, wie meine Finger klamm wurden. Hatte ich schon erwähnt, dass es ein kühler Abend war?

Nach 30 Minuten verabschiedete sich das erste Kind ins warme Haus. Ihm war kalt. Ich konnte es verstehen!

Nach 40 Minuten waren wir noch keinen Schritt weiter. Immer wenn ich die Ente schnappen wollte, verschwand sie im Gebüsch. Sie war verdammt schnell und das Gebüsch verdammt dicht. Da kam ich nicht weit und musste immer wieder warten, bis sie sich aus dem Unterholz hervortraute. Und das, obwohl Geduld ja eine sehr ausgeprägte Tugend von mir ist...äh, ich meinte natürlich KEINE ausgeprägte Tugend von mir ist.

 

Nach 45 Minuten verabschiedete sich auch das zweite Kind ins Haus. Jetzt waren nur noch der Gnom, die Ente und ich im Freien. Mittlerweile war es dunkel geworden.

Nach 50 Minuten beschloss ich, dass die Ente selbst schuld an ihrem Schicksal ist. Sollte sie doch draußen bleiben und der Fuchs sie holen. Ich würde jetzt auch rein gehen. Wütend stapfte ich davon.

 

2 Minuten später stand ich wieder am Zaun und versuchte die Ente mit Worten hervorzulocken. Vielleicht klappte es ja mit Liebe?

Ich ging in die Hocke und säuselte vor mich hin.

"Komm zu mir, liebe Ente. Ich mache dir nichts. Ich bringe dich nur wieder auf die richtige Seite des Zauns. Komm zu mir!"

 

Plötzlich spürte ich eine Berührung an meinem Rücken. Erschrocken zuckte ich zusammen und lachte dann.

"Hallo Katze. Na, hat dich meine Stimme angelockt?" fragte ich meine Katze und streichelte sie. Immerhin ein Tier, das kam, wenn ich "Komme her" rief. Allerdings wäre mir in dem Moment die Ente lieber gewesen.

Ich kraulte die Katze am Kopf. Mittlerweile war eine Stunde vergangen. Mir war kalt. Im Haus warteten zwei hungrige Kinder auf mich und die Ente war noch immer tiefsten Gebüsch. Mir steigen die Tränen in die Augen.

"Ich will ihr doch nur helfen. Hier draußen ist sie in der Nacht vollkommend schutzlos. Sie soll nicht vom Fuchs geholt werden", schluchzte ich leise.

 

Da spürte ich, wie der Gnom neben mich trat. Sonst konnte er es mit dem Sticheln nicht lassen. Doch als er dieses Mal zu mir sprach, klang seine Stimme fast sanft: "Schaue, das kleine Federtier hat sein Versteck verlassen!"

Ich hob den Blick. Wirklich, er hatte Recht. Die Ente war näher an mich herangekommen. Sie stand nun auf einem freien Stück Land, an dem ich sie gut packen konnte. Hoffnung stieg in mir auf.

 

 

 

Happy Ente

 

"Alles wird gut. Jetzt bringe ich dich heim", sprach ich ruhig, während ich mich langsam der Ente näherte.

Als ich nah genug war, griff ich schnell zu, erwischte die Ausreißerin und ließ sie rasch auf der anderen Seite des Zaunes herunter.

"Geschafft!"

Eine Zentnerlast fiel von meiner Schulter. Der Fuchs würde sich heute ein anderes Abendessen suchen müssen!

Ich schaute noch einen Moment zu, wie die vier Enten glücklich vereint durch den Garten watschelten. Dann drehte ich mich zum Gnom.

"Komme, lass uns reingehen. Hier draußen ist für heute alles erledigt."

Und zum ersten Mal seit einiger Zeit, liefen wir friedlich nebeneinander her. Es hätte sicher gut gepasst, wenn wir Hand in Hand gelaufen wären, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben!

 

 

Herzliche Grüße von

 

Tanja

 

 

Ps: Ich habe den ganzen Garten durchsucht, aber ich konnte nicht entdecken, wo die Enten den Garten verlassen hatten. Meine Vermutung ist ja die, dass der Gnom sie rausgelassen hat. Aber ich kann es ihm nicht beweisen. Daher halte ich besser meinen Mund. Doch ich werde ihn nicht aus den Augen lassen. Bei dem Kerl ist man besser immer auf der Hut.

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Denise - die guten Dinge (Samstag, 12 Mai 2018 21:31)

    wow! Das ist wirklich eine Geschichte! Entenfangen.... ich hab mal unsere Karnickel einfangen müssen, die hatten sich über den halben Ort verteilt. war auch nicht komisch! Gott sei Dank mit Happyend bei dir und auch bei mir. lieben Samstagsgruß, Denise

  • #2

    Nicole/Frau Frieda (Montag, 14 Mai 2018 11:34)

    Ich habe wirklich Deinen Gnom gesehen, liebe Tanja. Wie er da auf dem Beifahrersitz gesessen hat.. ppfff.. wirklich ein ganz trockener Kerl. ;)) Wie schon schön, dass es ein glückliches Ende gab. Nicht auszudenken, wenn wirklich der Fuchs... nein, nein! Dir einen lieben Gruß. Herzlichst, Nicole

  • #3

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Montag, 14 Mai 2018 12:45)

    Liebe Denise,
    ui, die Kaninchen waren über den halben Ort verteilt? Da hatte ich ja noch Glück, die Enten waren nur im Nachbargarten gelandet! Das Einfangen von Kaninchen stelle ich mir auch nicht gerade sehr einfach vor, zumal die nicht mal so laut schnattern, wie die Enten!
    Wie gut, dass du sie alle hast einfangen können!



    Liebe Nicole,
    trocken, sarkastisch und undurchschaubar, ja, dass ist er, der werte Herr Gnom! ;-)
    So schnell bekommt der Fuchs die Entlein nicht, ich glaube, dass so etwas nicht mal der Gnom zulassen würde.
    Ebenfalls liebe Grüße an Dich zurück!