Urteilst Du schnell über andere Menschen?

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Manchmal passiert es schneller als wir es realisieren können: mitten im Gespräch werden wir ärgerlich und fragen uns: worüber regt der andere sich überhaupt so auf? Warum jammert er, wo mein Leben doch soviel anstrengender ist als seines?

 

In solchen Fällen vergleichen wir unsere Lebensituation oft mit der unseres Gegenübers und ehe wir uns versehen, haben wir ein Urteil über den anderen gefällt. Selten ist das positiv!

Doch macht es Sinn, wenn wir aufgrund einer Aussage über den anderen ein Urteil fällen? Was macht das mit uns und unserer Beziehung zu unserem Gegenüber? Und wie können wir uns stattdessen verhalten?

 

Vor ein paar Tagen traf ich eine ferne Bekannte. Wir führten ein Gespräch, das mich noch Stunden später sehr beschäftigte. 

 

Jene Bekannte erzählte mir sinngemäß: "Es ist so stressig mit dem Arbeiten. Diese drei Stunden am Tag, die ich im Büro arbeite, sind einfach zu viel. Ich bin danach völlig erledigt. Wenn ich nach Hause komme, dann muss ich mich erst einmal auf dem Sofa ausruhen. An meinen Arbeitstagen kann ich Nachmittags nichts mehr machen, weil ich so erschöpft bin. Sogar das Kochen ist mir zu viel. Das übernimmt mein Mann..."

 

Je länger die Bekannte sprach, desto größer wurde mein Unmut.

Nur an drei Tagen in der Woche für jeweils drei Stunden arbeiten zu müssen? Wie herrlich das wäre! 

Ein Mann, der mittags daheim ist und das Essen macht, wenn ich von der Arbeit komme? Das wäre ein Traum!

Die Möglichkeit, mich den ganzen Nachmittag ausruhen zu können? Das möchte ich auch!

 

Ich begann zu vergleichen und ärgerte mich. Woher nahm die Bekannte eigentlich das Recht, so zu jammern? Sie hatte es doch richtig gut: wenige Wochenarbeitsstunden, viel Freizeit, ein Mann, der sich kümmerte.

Wie viel schwerer hatte ich es doch da! Was würde sie wohl sagen, wenn sie nur eine Woche meinen Alltag zu führen hätte, mit wesentlich mehr Arbeitsstunden, häufigen Wochenenddiensten, Kindern, Katze, Hund und Co.?

Nein, ich konnte beim besten Willen nicht nachvollziehen, was die Bekannte zu jammern hatte und von was sie so erschöpft war. 

 

 

Das Gespräch beschäftigte mich sehr. Erst verspürte ich Ärger und Unverständnis, dann versank ich in Mitleid und dann wurde mir klar, dass ich über die Bekannte urteilte, ohne weitere Fakten zu kennen.

 

Ich war mir sicher, dass sie meinen aktiven Alltag keinen einzigen Tag schaffen würde, doch wie wäre es, wenn ich in ihre Haut schlüpfen würde?

Was weiß ich schon über das Leben der Bekannten? Vielleicht ist das Arbeiten für sie so anstrengend, weil sie chronische Schmerzen hat, von der sie bislang nicht erzählt hat? Wenn es so wäre, würde es dann meine Einstellung verändern?

 

Was wäre, wenn ich meinen Alltag aus der Perspektive von jemanden betrachten würde, dessen Alltag noch anspruchsvoller ist, als meiner? Von jemanden, der vielleicht pflegebedürftige Eltern hat, der ein behindertes Kind versorgen muss oder trotz Arbeit am Existenzminimum lebt und Sorgen hat, wie er die nächste Nebenkostenerhöhung zahlen soll?

 

 

Wir können nicht immer gleich wissen, was in dem anderen Menschen vorgeht oder warum er auf diese oder jene Art empfindet. 

Wir können immer nur von uns selbst und unseren Erfahrungen auf andere schließen. Dadurch kommen wir aber in einen Kreislauf, der die Beziehung zu Anderen negativ beeinflussen kann, nämlich dann, wenn wir ein negatives Urteil fällen - und damit vielleicht auch noch daneben liegen. 

 

 

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Um das zu vermeiden, habe ich drei Dinge beschlossen:

 

 

1. Ich stelle Rückfragen

Wenn ich spüre, dass ich nicht nachvollziehen kann, was mir der Andere erzählt, stelle ich Rückfragen. In diesem Fall hätte ich z.B. fragen können: Warum bist du nach der Arbeit so erschöpft? Was ist so anstrengend an deinem Beruf?

Dadurch erhalte ich eine direkte Rückmeldung und kann besser entscheiden, ob sie wirklich auf hohem Niveau jammert - oder eben nicht.

 

 

2. Ich höre auf zu urteilen und zu vergleichen.

Es gibt immer Menschen, die es besser oder schlechter als wir haben. Es bringt nichts, wenn wir ihre Lebenssituation mit der unseren vergleichen. 

 

Ich war vor einigen Jahren frustriert, dass es bei einer Freundin immer blitzeblank war. Kein Krümel auf dem Boden, kein Staubkorn auf dem Schrank, die Fenster immer glasklar. Irgendwann erzählte sie mir, dass sie nachts nur 6 Stunden schläft. Wenn ihr Mann und die Kinder schon im Bett sind, putzt sie noch die Küche. Morgens steht sie um fünf Uhr auf, um die Wäsche zu waschen und den Boden zu wischen.

Da wurde mir bewusst, dass es ein hoher Preis sein kann, eine topsaubere Wohnung zu haben - und das ich ihn in der Form nicht zahlen möchte, denn mein Nachtschlaf ist mir sehr wichtig....

 

 

Doch zurück zu der Bekannten, die über die Erschöpfung nach drei Stunden Arbeit jammert.

Letztendlich hat sie das Recht, ihr Leben anstrengend zu finden, selbst dann, wenn ich es anders sehe. Was ich machen kann, ist ihr Jammern in andere Bahnen zu lenken oder ihr zu sagen, dass ich das Thema wechseln möchte. Für ihre Gefühlswelt und ihr Empfinden ist sie alleine verantwortlich.

 

 

3. Ich frage mich, was genau hinter meinem Unmut steckt.

Möglicherweise ärgere ich mich über die Aussagen der Bekannten deswegen so, weil ich selbst gerne weniger Stunden arbeiten möchte. Oder ich nehme mir nach der Arbeit nicht genügend Zeit für eine kurze Pause, sondern hetze weiter durch den Alltag. 

 

Wenn ich mir darüber bewusst bin, welches meiner Bedürfnisse zu kurz kommt, kann ich es stillen. Dadurch stehen die Chancen gut, dass ich beim nächsten Gespräch nicht mit Unmut und zu schnellem Urteilen reagiere, sondern offen für mein Gegenüber sein kann.

 

 

 

Wann urteilst Du zu schnell?

Wie gehst Du mit solchen Situationen um?

 

Herzliche Grüße von   

 

Tanja

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Kommentare: 6
  • #1

    Jeanne (Freitag, 01 Februar 2019 10:09)

    Liebe Tanja,
    ich fühle mich "ertappt". Allein schon beim Lesen des ersten Satzes deiner Bekannten, dachte ich mir: "Hat die noch alle Nadeln an der Tanne?" Ich gebe zu, ich urteile ebenfalls vorschnell über andere. (Asche auf mein Haupt) Doch ich arbeite an mir- Indianerehrenwort!! A propos: von den Indianern stammt der Satz: "Urteile über niemanden, in dessen Mokkasins du nicht mind. 2 Wochen gegangen bist. Und immer wenn mir in den Sinn kommt: Der oder die spinnt doch, versuche ich sofort, mir diesen Spruch wieder ins Gedächtnis zu rufen, und ich kann loslassen. Das klappt von mal zu mal besser :) Was das Vergleichen betrifft: das ist das reinste Gift! Wie oft habe ich mich früher mit anderen verglichen, denen es angeblich besser ging, bis ich realisierte dass ich auch da nie die ganze Geschichte hinter der Geschichte kenne. So wie du es treffend in deinem Beispiel mit der putzenden Freundin geschrieben hast; wissen wir, wie hoch der Preis ist, für deren "angebliches Glück"??Bei meinen Schwiegereltern sieht es z.B. aus wie in einer Wohnzeitschrift: nichts liegt rum, total steril (es riecht auch so- bääh!) Der Preis dafür? Absolute Isolation, weil keiner mehr zu Besuch kommt!!! Da ziehe ich dann doch das chaotische Durcheinander vor, wo Leben tatsächlich stattfindet ;-)
    Ich finde es super, dass du darauf hinweist, dass wir an unserem Verhalten arbeiten müssen, wenn wir Unmut über solche Aussagen verspüren. Wenn wir dafür sorgen, dass es uns selbst gut geht, und wir mit uns im reinen sind, hören wir automatisch auf uns zu vergleichen und neidisch zu sein. Ich werde jetzt auch wieder mehr darauf achten. Danke von daher auf den "Anschubser"
    Herzlichst
    Jeanne

  • #2

    Wolfgang Nießen (Freitag, 01 Februar 2019 10:39)

    Liebe Tanja,
    gerade die Situation, von der Du am Anfang erzählst, dass jemand wenig arbeitet und dann total kaputt ist kenne ich sehr gut. Das regt mich auch immer auf. Einer meiner Bekannten arbeitet gar nicht und erzählt mir dann von seinen stressigen Tagen und was er alles wieder für Ärger hat. Alles Dinge, die ich nach der Arbeit erledigen muss. Da urteile ich dann sehr schnell und werde sogar sauer.
    Klar bin ich deswegen sauer, weil ich auch gerne den fast ganzen Tag für mich hätte, was ich sonst nach der Arbeit erledige, würde bequem in einen Tag passen.
    Gerade im beruflichen Umfeld konnte ich aber auch feststellen, dass die die am meisten über Stress klagen, den wenigsten Stress haben. Auf die nimmt man Rücksicht. Wer hingegen nicht klagt, ist anscheinend nicht ausgelastet.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  • #3

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Samstag, 02 Februar 2019 16:30)

    Liebe Jeanne,
    vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Ja, oft geht es uns so, dass wir uns bei den Aussagen anderer wundern und den Betreffenden in eine bestimmte Schublade stecken. Das ist auch erst einmal wichtig, denn es hilft uns selbst, damit wir uns in der Welt orientieren können. Doch wie oft stellen sich unsere Schubladen im Nachhinein als unpassend heraus?
    Wichtig finde ich es, immer wieder seine eigene Einstellung zu hinterfragen, ganz besonders dann, wenn wir feststellen, dass uns der Kontakt und das Gesagte des anderen nicht gut tun.
    Letztendlich wünschen wir uns das ja umgekehrt auch, oder?

    Den Spruch mit den Mokkasins finde ich sehr gut! Da fallen mir gleich die Alleinerziehenden in meinem Umfeld ein. Wie oft höre ich da Kommentare von neidischen Mamas: "Die/der hat es voll gut. Kein Mann7keine Frau mit dem sie/er diskutieren muss, keine schmutzigen Socken, die überall herum liegen und jedes zweite Wochenende hat sie/er komplett kinderfrei!"
    Doch wie es jemanden geht, der alleinerziehend ist, und ob das alles wirklich so toll ist, können wir erst dann wissen, wenn wir ein paar Tage dieses Leben gelebt haben; mit allen Facetten.

    Deine Einstellung gefällt mir. Ja, wenn wir mit uns selbst im Reinen sind, wird auch der Neid weniger Platz in unserem Leben haben. Sorgen wir also gut für uns!

    Ganz liebe Grüße an Dich von
    Tanja

  • #4

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Samstag, 02 Februar 2019 16:35)

    Hallo Wolfgang,
    was Du schreibst, dass gerade die, die den wenigsten Stress haben, am meisten klagen, ist mir auch schon aufgefallen. Ich habe viel darüber nachgedacht und mir überlegt, woran das liegen kann.
    Ich vermute, dass es der Mangel an Aufmerksamkeit ist. Ist es nicht heutzutage modern, dass wir alle megagestresst sind? Nach der Arbeit noch fünf Termine und auch am Wochenende jagt ein Event das nächste. Wer nicht gestresst ist, der gehört einfach nicht dazu - oder hat zumindest das Gefühl, es nicht zu tun.
    Und wer nicht genug Stress hat, der muss ihn sich selbst machen oder wenigstens so machen als ob.

    Ich finde, dass wir unsere Kraft viel besser in andere Dinge investieren sollten. In gemeinsame Aktivitäten, in Hilfsbereitschaft gegenüber andere und natürlich dazu, selbst glücklich zu sein.

    In diesem Sinne wünsche ich Dir ein schönes Wochenende.
    Viele Grüße von
    Tanja

  • #5

    Ursula (Samstag, 02 Februar 2019 19:15)

    Hallo,
    ich versuche auch immer das gute in dem Menschen zu finden warum wieso weshalb... aber viele jammern auch unnötig. Aus langeweile, Frust etc. ich weiß es nicht. Es ist eben auch immer die Sichtweise wo man steht. Meine Kollegin kriegt ne tiefe Krise weil das Kind in Mathe ne 4 hat. Ich wäre froh über eine vier und dass es überhaupt die Realschule besuchen würde anstatt die Förderschule weil es eben nicht anders geht. Klar drei mal drei Stunden arbeiten hach welch ein Luxus, aber ja...
    Und ja auch ich bin der Versuchung nahe mal zu schnell zu urteilen. Wie sagte meine Oma schon Gott hat dir zwei Ohren gegeben ein EIngangsohr und ein Ausgangsohr.
    LG
    Ursula

  • #6

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Sonntag, 03 Februar 2019 17:29)

    Hallo Ursula,
    vielen lieben Dank für Deinen Kommentar.
    Das es auf die Sichtweise drauf ankommt und die Frage, wo man gerade steht, damit hast Du in meinen Augen völlig recht. Wenn das eigene Kind in Mathe Fünfen kassiert, kann man bei einer 4 nur müde mit den Achseln zucken. Wie schön wäre doch eine 4. Aus dem Blickwinkel der Kollegin, deren Kind sonst nur Zweien oder Dreien mit nach Hause bringt, sieht das wiederrum ganz anders aus.
    Daher ist es so wichtig, immer bei sich zu bleiben. Worüber rege ich mich auf? Was hat der Unmut mit mir zu tun. Dadurch bekommt das Kind zwar noch lange keine bessere Note in Mathe, aber wir selbst lernen vielleicht dadurch gelassener zu bleiben.

    Notfalls bleibt noch das Ausgangsohr, wie Deine Oma so schön sagte! ;-)

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagabend und einen guten Wochenstart.
    Viele Grüße von
    Tanja