Glücksmoment: Morgenspaziergang

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Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir: an diesem Morgen ist es bitterkalt. Die Gehwege sind mit einer gefrorenen Reifschicht bedeckt. Auf dem Feld gegenüber liegt Schnee.

 

Es ist bitterkalt und ich würde mich am liebsten in mein warmes Bett zurückziehen. Warm einkuscheln, die Augen schließen, noch ein bisschen vor mich hinträumen. Doch das geht nicht. Der Alltag wartet auf mich - und der Hund muss dringend nach draußen.

 

Ich seufze. Ziehe mich langsam an. Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe. Dann rufe ich den Hund, leine ihn an und öffne die Haustür. Kalte Luft schlägt mir entgegen. Eisig, aber irgendwie auch frisch. Noch ein kurzer wehmütiger Gedanke an mein warmes Bett, dann ergebe ich mich meinen Schicksal.

 

Wir laufen durch den Ort. Autos fahren an uns vorbei. Pendler sitzen darin, auf dem Weg zur Arbeit. Ein Mann beißt beim Fahren von einem Brot ab. Ob er Zuhause keine Zeit zum frühstücken hatte?

Zwei Schulkinder überholen uns. Der Bus kommt gleich, sie müssen sich eilen, wenn sie ihn nicht verpassen wollen.

Die ganze Welt ist in Bewegung. Alle müssen irgendwo pünktlich sein. Nur der Hund und ich, wir haben heute Zeit.

 

Wir verlassen den Ort, gehen am Feldrand entlang. Plötzlich wird es still um uns. Keine Autos und Menschen mehr. Nur die Stille. Ich spüre, wie ich zur Ruhe komme. Da ist der Mond. Hell und klar steht er als Sichel am Himmel, der sich zaghaft blau färbt. Rechts und links von ihm sind je ein Stern zu sehen. Ich staune. Welch ein seltsames Bild.

 

In der Ferne wird es langsam hell. Die Sonne geht auf. Noch ist sie hinter dem Berg, doch ihr sanftes Licht ist bereits zu sehen. In der Ferne, auf der entgegengesetzten Seite des Mondes, sind Wolken am Himmel. Sie haben eine interessante Farbe: eine Mischung aus lila und orange. Ein wenig unheimlich sieht es aus. Doch wenn es die Sonne erst über den Berg geschafft hat, werden die Wolken in einem kräftigen Orange leuchten.

 

Unter meinen Füßen knirscht das Eis. Ich muss langsam gehen, denn der Weg ist glatt. Hin und wieder bleibt der Hund schnüffelnd stehen. Es riecht sicher interessant an diesen Stellen. Vielleicht war dort vor kurzem ein Hase oder eine Maus.

 

Gedanken kommen mir. Ich denke an den Alltag, versuche den Tag in meinem Kopf zu organisieren. Als mir das bewusst wird, schiebe ich die Gedanken zur Seite. Nicht jetzt! Jetzt bin ich hier draußen! Jetzt laufe ich! Nehme bewusst wahr, was um mich herum ist!

Ich spüre die Kälte, die durch meine Hose dringt. Es fühlt sich an, als würden Tausende kleine Nadelspitzen in meine Haut picksen. Ein Gefühl, dass mir zeigt, dass ich lebendig bin.

 

Dankbarkeit macht sich in mir breit. Dankbarkeit dafür, dass ich diese Glücksmomente bewusst wahrnehmen kann. Dankbarkeit dafür, dass ich gesund bin und das Leben spüren kann. Dankbarkeit dafür, dass ich jeden Tag aufs Neue diese Wunder der Natur erleben darf.

 

Glücklich und voller Kraft mache ich mich auf den Heimweg.

 

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Wann hast Du zum letzten Mal einen Morgenspaziergang gemacht?

 

Herzliche Grüße von   

 

Tanja

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Kommentare: 4
  • #1

    Jeanne (Montag, 04 Februar 2019 16:37)

    Liebe Tanja,
    wow!! Wunderschönes Foto und wunderbar geschrieben!
    Gerade heute morgen/ mittag war ich ganz lange draußen, um Bilder vom frisch gefallenen Schnee zu machen. Dabei musste ich an dich denken *grins*, denn obwohl Wohnung aussieht wie S..., dachte ich mir, es ist jetzt wichitger, Fotos zu machen; genau so, wie du es neulich in einem Post so treffend beschrieben hast: Wenn man dann anschließend nach Hause kommt, ist man so energiegeladen, dass die Arbeit fast wie von selbst erledigt wird. Du siehst also, ich lerne (dank dir) stets dazu :))
    Herzliche Grüße

    Jeanne

  • #2

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Donnerstag, 07 Februar 2019 10:58)

    Liebe Jeanne,

    es freut mich, dass Dir die Arbeit nach dem Spaziergang locker von der Hand ging. Danke für Deine Worte. Es ist schön zu lesen, dass ich mit meinen Texten andere Menschen inspirieren kann. :-)

    Ich bin mir sicher, dass Deine Schneebilder ganz wunderbar geworden sind und es sich gelohnt hat, den Haushalt ein wenig aufzuschieben. Das Gute ist ja, dass er immer geduldig wartet.

    Ganz liebe Grüße von
    Tanja

  • #3

    Wolfgang Nießen (Donnerstag, 07 Februar 2019 13:56)

    Liebe Tanja,
    sehr schön geschrieben, und die tollen Bilder verlocken geradezu zu einem Spaziergang. Eigentlich kann man im Leben kaum mehr erreichen als das Leben selbst bewusst wahr zu nehmen. Leider gelingt mir selbst das nur selten. Zu viele Gedanken, die verhindern, dass ich eins werde mit der Natur und somit mir selbst und dem Leben bewusst. Aber ich arbeite daran, es wird besser.
    Ich wünsche Dir noch eine wunderschöne Restwoche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  • #4

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Freitag, 08 Februar 2019 09:30)

    Hallo Wolfgang,
    vielen Dank für Deine lieben Worte.
    Das Leben bewusst wahrzunehmen, das ist manchmal eine richtige Kunst. Mir gelingt das bei weitem noch nicht so oft, wie ich es mir wünsche, doch ich bin auf dem Weg.

    Du hast bereits das Bewusstsein entwickelt, dass Du eins werden möchtst mit Dir, dem Leben und der Natur. Diese Erkenntnis ist der wichtigste Schritt, denn nur dann, wenn Du diese hast, kannst Du Deine weiteren Schritte in die entsprechende Richtung lenken. Das alles erfordert Geduld und klappt nicht immer. Doch wie heißt es so schön: der Weg ist das Ziel.
    Mir Eurem traumhaften Haus und Garten hast Du die Wunder direkt vor der Nase. Ich bin mir sicher, dass es Dir immer öfter gelingen wird, sie zu genießen und bewusst wahrzunehmen. Nur Mut!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Tanja