Empathische Gespräche? Was ist das und brauche ich so etwas?

Kraftquelle, über andere urteilen, mit anderen vergleichen, empathische Gespräche, empathische Kommunikation, miteinander einfühlsam sprechen, einfühlsame Kommunikation

Empathische Gespräche - zwei Worte, die sich in der Konstellation sehr machtvoll anhören. Vielleicht wirken sie auf Dich aber auch beängstigend oder Du fragst Dich, was genau damit gemeint ist? Ist ein empathisches Gespräch im Alltag überhaupt wichtig?

Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe interessante Antworten gefunden. Doch bevor wir dazu kommen, lasse uns erst einmal darüber sprechen, was genau unter einem empathischen Gespräch zu verstehen ist. Am besten lässt sich das an einem Beispiel erklären.

Stelle Dir einmal folgende Situation vor :

 

Du erzählst einer Freundin: „Bei mir auf der Arbeit ist es gerade sehr stressig. Die Kollegin ist schon die dritte Woche krank. Jetzt muss ich nicht nur meine, sondern auch noch ihre Arbeit mitmachen. Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.“

 

Deine Freundin erwidert:

 

a) „Das kenne ich. Bei mir auf der Arbeit ist es gerade auch sehr stressig. Stell Dir vor, meine Kollegin hat...“

 

oder

 

b) „Oh, das hört sich sehr anstrengend an. Ich kann nachempfinden, dass dich das gerade sehr viel Kraft kostet. Immerhin hast du gerade eine doppelte Belastung. Was sagt denn dein Chef zu der Situation?“

 

 

Welche Art von Gesprächen ist Dir lieber?

 

 

Schauen wir uns einmal die beiden Antworten der Freundin näher an.

 

Bei der Variante a) wirst Du von Deiner Freundin nicht wirklich gehört. Du erzählst etwas, das Dich sehr beschäftigt, doch sie geht nicht auf Dein Thema ein. Stattdessen berichtet sie von ihrem eigenen Problem. Versucht vielleicht sogar, ihre Situation schlimmer als Deine darzustellen. Deine Worte bleiben ungehört im Raum stehen.

 

Wie fühlt sich das für Dich an?

Was meinst Du, wirst Du Dich zukünftig bei wichtigen Dingen wieder an sie wenden?

Bist Du in dem Moment offen für das Thema, das sie gerade anspricht?

 

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Bei Variante b) ist die Freundin gedanklich bei Dir. Sie zeigt Verständnis, fasst das von Dir Gesagte zusammen und versucht sich in Dich einzufühlen. Mit ihrer Frage, was denn der Chef zu der Situation sagt, zeigt Dir Deine Freundin,  dass sie ernsthaft an dem Thema und Dir  interessiert ist.

 

Wie wird es Dir damit gehen? Wie fühlst sich diese Reaktion für Dich an?

 

Du wirst es schon ahnen: bei der Antwortmöglichkeit b) handelt es sich um ein empathisches Gespräch.

 

 

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Warum empathische Gespräche so wertvoll sind

 

  • Durch empathische Gespräche kannst Du Deine Beziehung zu Deinem Gegenüber vertiefen.
  • Du lernst den anderen, aber auch Dich selbst besser kennenlernen: Wie ticke ich? Wie tickt der andere? Warum ist mir das Thema so wichtig? Warum verhalte ich mich / verhält sich der andere so?
  • Ihr erschafft einen Raum, in dem ihr Euch beide zeigen, wie ihr seid, mit all Euren Fehlern, Schwächen, Ängsten, Macken und all Eurer Freude und Liebe
  • Ihr sprecht nicht nur über oberflächliche Themen wie das Wetter oder das aktuelle Tagesgeschehen, sondern über Themen, die euch ernsthaft beschäftigen und deren Lösung euch weiterbringen kann

 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Small-Talk ist eine Gesprächsform, gegen die nichts einzuwenden ist. Sie sorgt dafür, dass wir mit anderen Menschen in Kontakt kommen, dass wir uns austauschen können und wir uns über unverfängliche Gespräche erst einmal abtasten können, um zu erfahren, wie der andere tickt. Wir können so unverbindlich herausfinden, ob wir den anderen näher kennenlernen möchten. Es ist nur natürlich, dass wir nicht gleich jedem Menschen von unseren Gefühlen und Sorgen erzählen möchten.

 

 

Doch wie es ist bei den Menschen, die Dir wichtig sind?

Wie möchtest Du die Gespräche mit ihnen gestalten?

 

 

 

3 Wege, die zu einem empathische Gespräch führen:

 

 

1. Sprich Deinen Wunsch aus.

"Du, ich möchte gerne etwas an unseren Gesprächen verändern. Ich wünsche mir folgendes...“

 

Nur, wenn Dein Gegenüber weiß, was Du Dir wünschst, kann er Dir diesen Wunsch erfüllen.

 

 

2. Mache den ersten Schritt

"Ich habe da etwas, was mich sehr beschäftigt. Darüber möchte ich gerne mit Dir reden. Bist Du bereit, mir zuzuhören?“

 

Indem Du den ersten Schritt machst und ein Dir wichtiges Thema ansprichst, gibst Du Deinem Gegenüber die Möglichkeit, sich auf das Gespräch einzustellen.

Hilfreich ist es, wenn Du Deinem Gegenüber im Anschluss eine Rückmeldung gibst. Du kannst ihm z.B. mitteilen, dass seine einfühlsame Art Dir sehr geholfen hat, Dich ihm gegenüber zu öffnen. Du kannst Dich bei ihm auch für sein Zuhören bedanken.

 

 

3. Gehe mit gutem Beispiel voran

Eine Freundin erzählt Dir von ihrem Stress auf der Arbeit? Prima, stelle ihr Fragen dazu, fasse ihre Worte zusammen, frage nach, was sie in dieser Situation braucht.

Wenn Du bereit bist, anderen das zu geben, was Du Dir selbst wünschst, wird es zu Dir zurückkommen. Du kannst nichts falsch machen.

An der Reaktion Deines Gegenübers wirst Du merken, ob er eine solche Form der Kommunikation möchte oder nicht.

 

 

Nur Mut, Du kannst nur gewinnen. Selbst dann, wenn der andere nicht mitzieht. Das mag sehr schade sein, aber dann weißt Du immerhin, was möglich ist und was nicht.

 

 

 Führst Du bereits empathische Gespräche?

 Wie hat das Beziehung zu Deinen Mitmenschen verändert?

 

Herzliche Grüße von   

 

Tanja

 

 

   

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Kommentare: 3
  • #1

    Amely (Mittwoch, 27 Februar 2019 18:41)

    Hallo Tanja, das ist ein interessantes Thema. Ich versuche schon, empathisch zu sein. Aber manchmal ist man zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Vielleicht sollte man dann sagen, ich würde mich gern mit deinem Problem beschäftigen, aber momentan fehlt mir einfach die Kraft oder die Nerven. Aber morgen habe ich mehr Luft und dann nehme ich mir Zeit dafür. Oder so. Also ich denke es ist etwas, das man immer üben muss, und ich kann noch viel lernen.
    Liebe Grüße,
    Amely

  • #2

    Jeanne (Donnerstag, 28 Februar 2019 12:38)

    Liebe Tanja,
    Wow, wieder einmal ein sehr gelungener Beitrag. Mir persönlich sind empathische Gespräche sehr wichtig, doch Variante a) ist leider sehr häufig der Fall. Diese Menschen sind die wahrsten Energieräuber, die einen regelrecht aussaugen, und nur ihren seelischen Ballast loswerden wollen. Während Variante b) einem Energie zuführt. Doch in unserer schnelllebigen Zeit werden empathische Gespräche immer seltener, meistens bleibt es beim Small-Talk. Doch das finde ich nicht so schlimm, so lange es innerhalb der Familie mit dem Zuhören stimmt ;-)
    In diesem Sinne wünsche ich dir noch viiiele empathische Gespräche :))
    Ganz liebe Grüße

    Jeanne

  • #3

    Tanja@MeineKraftquelle.de (Donnerstag, 28 Februar 2019 21:30)

    Liebe Amely,
    da gebe ich dir vollkommen recht. Manchmal gibt es Tage oder auch Zeitpunkte, in denen uns nicht der Sinn nach empathischen Gesprächen steht. Manchmal sind wir müde oder zu sehr mit unseren eigenen Themen beschäftigt, um anderen aufrichtig zuhören zu können. Dann zu sagen, dass man gerade nicht offen dafür ist, finde ich vollkommen in Ordnung und authentisch.
    Eine solche Ehrlichkeit ist tausend Mal besser, als sich zum Zuhören zu zwingen und dann doch nur mit halbem Herzen dabei zu sein.

    Ganz liebe Grüße von
    Tanja



    Liebe Jeanne,
    vielen Dank für Deinen Kommentar, der den Nagel auf den Kopf trifft. Unsere Welt wird immer schnelllebiger, was man auch an der Intensität unserer Gespräche merkt. Das ist schade! Natürlich ist es nicht möglich, mit allen Menschen, die wir treffen, tiefgehende Gespräche zu führen (mit manchen würde gerne ich das auch nicht wollen) und dennoch wünsche ich mir, dass wir wieder einander besser Zuhören und nicht nur versuchen zu reden.


    Fühl Dich von mir umarmt. Schön, dass ich mit Dir empathische Gespräche führen kann. ;-)
    Tanja